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Es ist soweit: Der große Blogumzug

Nun endlich habe ich den Schritt gewagt. Mein Blog zieht um!
Mehr Platz, mehr Möglichkeiten. Die Einträge dieses Blogs habe ich schon umziehen lassen, sonst ist noch einiges in Arbeit. Da kommt also noch mehr!

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OnlineRoman "Stadt im Schnee" 41



„Gab es Zeugen für diese beiden Zwischenfälle?“

„Ich lasse sie umgehend rufen, Generalin.“

Elma eilte los, und Maril ging die letzten Schritte bis zum großen Saal alleine. Diener öffneten das Portal für sie, und sie trat ein.

Die Morgensonne brach bereits durch die verzierten Glasfenster, aber überall standen Leuchter mit Kerzen und tauchten den großen Saal in grelles Licht. Der Saal war voll: Würdenträger, Oberste, Priesterinnen.

Sie wurde erleichtert begrüßt. Ohne die Regentin auf dem Sessel am Kopfende des Saals, ohne deren ruhige Besonnenheit waren diese Leute kopflos und einer Panik nahe.

Nun betrat Maril den Saal, und jeder Zoll an ihr strahlte militärische Disziplin aus. Sie war eine Vertraute und Gesandte der Kaiserin. Sie hatte in genügend Kriegen und Feldzügen bestanden, um ruhig und analytisch an jede Krise heranzugehen. Sie stellte eine geborene Anführerin dar, die reichliche Erfahrungen gesammelt hatte. Ihr konnten diese Menschen die Bürde aufladen, für die führerlose Stadt und deren Bewohner zu sorgen.

Das kollektive Aufatmen war gar nicht zu überhören.

Sie durchmaß den Saal, ging an den Leuten vorbei, die sie mit Fragen und Thesen bestürmten, und nahm auf dem Sessel der Regentin Platz. „Ich bin die Gesandte der Kaiserin. In dieser Krise übernehme ich vorübergehend die Regentschaft dieser Stadt. Wir befinden uns im Kriegszustand. Ich ordne an, dass alle wehrfähigen Frauen und Männer vorübergehend einzuziehen sind. Ich ordne an, dass die Streifen durch die Stadt verstärkt werden und dass niemand sich in den Kellern und Lagerräumen unter der Stadt aufhalten darf.“

„Unsere Vorräte lagern dort! Wie sollen wir ohne Vorräte bestehen?“

„Die Nomaden stecken dahinter, Maril. Wir müssen eine Strafexpedition ausschicken!“

„Maril, wer soll die neue Priesterin der Großen Göttin werden? Wir können nicht ohne ihren Schutz leben!“

„Es ist eine Strafe der Göttin, die uns befällt, weil wir die Nomaden immer noch nicht besiegt haben!“

„Generalin, die Menschen fürchten sich. Die Keller sind Schutzräume, wir brauchen die Keller!“

Maril stand auf und sah streng auf die Versammelten hinab. „Hört auf, Unsinn zu reden! Ihr solltet euch einmal selbst hören. Wie kann ein Bürger des Kaiserreichs ein solcher Jammerlappen sein? Wir sind in einer Krise, da ist es egal, ob die Gottesdienste pünktlich abgehalten werden. Die Große Göttin versteht das! Sie ist die Göttin von Kriegerinnen und Kriegern. Glaubt bloß nicht, dass auf einem Schlachtfeld zu den festgesetzten Stunden Gebete gesprochen werden. Die Große Göttin hilft denen, die in einer schweren Stunde den Mund halten und etwas tun! Sie verabscheut Hysterie und Panikmache. Wir haben zwölf Tote, und vielleicht werden es mehr. Aber wenn wir alle Wache halten, auf die Frau oder den Mann neben uns aufpassen, wenn ihr meine Befehle befolgt, können wir Schlimmeres und noch mehr Tote vielleicht verhindern.“ Maril atmete tief durch, dann zeigte sie auf eine ältere Frau in voller Wacherüstung. „Du bist die Garnisonskommandeurin?“

OnlineRoman "Stadt im Schnee" 40



Noch hatten Müdigkeit und der Schreck verhindert, dass Maril das Gehörte überdachte. Während Diener sie umringten, ihr den dicken, gesteppten Mantel auszogen und ihr einen bunten Umhang reichten, während ein Kindermädchen die schlafende Ilya von der Obersten entgegennahm, begann Marils übermüdeter Verstand wieder richtig zu arbeiten.

Vor drei Tagen war sie mit der Priesterin im Kellergewölbe des Tempels gewesen. Dort war das Beben zu spüren gewesen – nur dort und in den Vorratsräumen, die ebenfalls unterirdisch lagen.

In den Kellern waren Menschen wahnsinnig geworden und hatten andere ermordet.

Sie fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, massierte ihre Nasenwurzel und versuchte, wacher zu werden. Sie musste denken, verdammt! Was hatte Runo gesagt? Yakscheiße! Maril hatte noch nie ein Yak gesehen, aber wenn seine Ausscheidungen für einen Fluch unter Nomaden reichten, dann waren diese Yaks sehr unangenehme Zeitgenossen.

„Generalin!“, rief Elma und rannte eine Treppe herab in das große Foyer, um ihre Vorgesetzte zu begrüßen.

„Wie viele Tote, Elma?“

„Zwölf – bis jetzt. Ich habe die Wachen angewiesen, nicht nur auf der Stadtmauer Streife zu gehen. Ich habe die Soldaten aus den Kasernen abgerufen. Die Männer und Frauen sind jetzt überall in der Stadt unterwegs – in Gruppen zu drei Personen. Ich hoffe, dass wir so weitere Massaker verhindern können.“

„Was sagt die Regentin?“

„Die Priesterin war ihre Schwester. Sie ist gebrochen und kann kaum sprechen. Sie wird sehr froh sein, dass du hier bist, Maril.“

Maril blieb stehen und sah ihre Assistentin an. „Kann es sein, dass du hier das Kommando übernommen hast, Elma?“

„Nur bis zu deiner Rückkehr, Generalin. Irgendjemand musste es tun. Die Leute gerieten in Panik, und die Regentin bekam einen Nervenzusammenbruch. Ich schwöre, wenn die Nomaden in diesem Augenblick auf die Idee verfallen wären, die Stadt anzugreifen, wären sie auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen.“

„Ich bezweifle, dass sie das vorhaben.“

„Du warst erfolgreich? Du hast Ilya heimgebracht?“

„Ich wurde von ihrem besten Krieger gemeinsam mit meiner Tochter bis vor die Tore der Stadt eskortiert. Elma, auch sie wünschen sich Frieden.“

Sie ging weiter. Ihr schwirrte der Kopf. War dies der letzte Beweis, den sie gebraucht hatte? Sogar der Steinboden des Palasts vibrierte unter ihren Füßen. Es hatte Tote gegeben. War daran das uralte Grauen unter der Stadt schuld? Hatte es die Menschen verrückt gemacht? Es hatte drei Menschen befallen, die viel in den unterirdischen Räumen arbeiteten, und es hatte diese drei Menschen dazu getrieben, Blut zu vergießen, blind um sich zu schlagen und andere ins Verderben zu reißen.

Statusmeldung Dezember

Der Dezember 2014 gehörte ganz alleine den Überarbeitungen. Uff, als ich anfing, war mir gar nicht bewusst, wie viel da auf mich lauert. Ich schreibe gerne und viel, und Überarbeiten ist nicht immer mein liebstes Hobby. Solange keine Deadline heiß in meinen Nacken atmet, geht das ja auch. Bis ich mich von den aufgetürmten Manuskripten bedroht fühle. Der riesige Stapel könnte ja auf mich fallen.

Zuerst schnappte ich mir also „Shadac“, meinen 2014-NaNo-Roman. 475 Normseiten in einem Monat geschrieben, da war mir klar, dass eine Horde gemeiner Tippfehler auf mich lauert und leise kichert. Ganz bestimmt habe ich nicht alle erwischt. Aber es tat so gut, meinen Kardinal wiederzusehen. Wenn ich schreibe, vergesse ich gerne im Anschluss daran Details, sodass das erste Lesen für mich sehr spannend ist und ich mich auch brav an den richtigen Stellen erschrecke und fürchterlich Nägel kauen muss, wie der Held das nur alles überstehen kann. Ich mag diesen Roman!

Dann war das Lektorat für das schon lange nicht mehr geheime Geheimprojekt „Runenschicksal“ dran. Der Roman wird zur Leipziger Buchmesse im Verlag Mondwolf erscheinen, und ich bin froh, dass wir noch so viel Luft haben, um letzte Unklarheiten aus dem Manuskript zu schaffen.

Punkt Nummer drei war erfreuliches Betalesen für Autorenkollegin Sabrina Železný. So wie sie mein Geheimprojekt liebevoll zerpflückte, konnte ich ihrem Geheimprojekt noch ein paar Anmerkungen hinzufügen. Gleicher Verlag, gleiches Veröffentlichungsjahr!

Nun war ich so schön warm gearbeitet, dass mir als nächstes „Drakhall“ zum Opfer fiel, der nach dem Schreiben und ersten kritischen Testleserinanmerkungen nur einen ersten Lesedurchgang meinerseits brauchte, bis er zur ersten Betaleserin Lisande konnte. Meinem Seefürsten hat dieser erste Schliff gut getan, denke ich.

Ihm folgte „Farlin“, mein strahlend blonder, blauäugiger Blutgeneral, der mit sehr vielen kritischen Anmerkungen seitens der ersten Testleserinnen wieder zu mir gekommen war. Ich schuftete und fluchte leise, entdeckte noch mehr Pfuschstellen (wenn die Gewichtung zwischen dem Heldenpaar nicht stimmt, geht einer von beiden unter. In diesem Falle ausgerechnet Farlin!) und arbeitete nicht nur mit Skalpell und Pinzette, sondern an den gröberen Stellen durchaus mit Axt und Vorschlaghammer. Jetzt bin ich soweit zufrieden, und auch Farlin ist an drei fähige Betaleserinnen rausgegangen. Bin sehr gespannt, was die noch alles zum Meckern finden.

Der letzte Streich – und noch nicht ganz fertig, da war der Dezember doch einfach zu kurz – ist „Niro“, mein 2012-NaNo-Roman (ja, 2013 hab ich auch einen geschrieben, da warte ich noch auf zwei Betaleserrückmeldungen). Drei strenge Betaleserinnen haben mir wohl hoffentlich alles unter die Nase gerieben, wo ich noch Hand anlegen muss. Die reine Überarbeitung ist fertig, jetzt lese ich den Roman auf dem eReader ein letztes Mal für den Feinschliff. Und finde immer noch einiges. Aber keine Berge mehr, denke ich. Bei Niro stehe ich nun auf dem eReader bei 62%.

Und jetzt auf ins Jahr 2015! Pläne? Konfus wie immer. Es gibt einiges, das ich schreiben möchte. Mir schwebt ein Krimi (vielleicht eine Reihe) mit Hexe und versehentlich beschworenem Dämon vor, dann lauert mein Klopps-Werk „Aemera“ auf mich: Steampunk, Französische Revolution, Romanovs, Dunkelgräfin, Liebesgeschichte und viel Blut. Ich bin gespannt. Auch ein weiterer Heroic hat sich freundlich angemeldet. Und fasziniert mich von Sekunde zu Sekunde mehr. Ach, mir wird schon nicht langweilig werden!

OnlineRoman "Stadt im Schnee" 39



„Der Großen Göttin sei Dank, dass du wieder da bist, Generalin.“

„Ich hatte den Status einer Unterhändlerin. Die Nomaden respektieren das ungeschriebene Gesetz, nach dem einer Unterhändlerin nichts getan werden darf“, sagte Maril und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl vor dem Kamin fallen.

„Nicht deswegen, Generalin. Ich meine, ich wollte sagen, ich bin erleichtert, dass du unversehrt zurückgekommen bist …“

Maril nahm den Kopf hoch und sah die Oberste wach an. „Was ist während meiner Abwesenheit vorgefallen?“

„Die Priesterin der Großen Göttin ist dem Wahnsinn verfallen. Sie hat drei andere Priesterinnen getötet und dann sich selbst. Und in den großen Vorratskellern sind zwei Träger irrsinnig geworden. Sie haben alle getötet, an die sie herankommen konnten, und es hat Stunden gedauert, bis die Wache sie überwältigen konnte.“

„Wo ist Elma?“

„Im Palast der Regentin.“

„Ich muss sie sofort sprechen – und die Regentin.“ Sie beugte sich hinab, um Ilya auf ihren Arm zu nehmen. Das Kind war müde und konnte nicht mehr.

„Gib mir das Kind, Generalin. Ich trage es und gehe mit dir.“

Dankbar gab Maril ihre Tochter weiter. Die Oberste war größer und kräftiger als sie selbst – und sie hatte sich nicht die Nacht in Schneehöhlen und auf Schneefangrücken um die Ohren geschlagen.

Maril schlug den pelzgefütterten Mantelkragen hoch und hastete durch verschneite Straßen, die Oberste dicht hinter sich.

Das Beben war durch die Pflastersteine der Straßen spürbar. Es fühlte sich an, als würde Maril auf brechendem Eis laufen, wobei jeder Schritt den Tod bedeuten konnte. Sie war nur drei Tage fort gewesen, und es war sehr viel schlimmer geworden.

Sie war erschöpft und müde. Sie hatte eine durchwachte Nacht verbracht, mit Diskussionen, Verhandlungen und einem rasenden Ritt hinter einem großen Krieger. Das Beben machte ihr Angst, und sie wünschte sich Runos beruhigende Massivität an ihre Seite. Es mochte schwächlich wirken, dass sie sich die Nähe eines Mannes herbeiwünschte, aber Runo stammte aus diesem Land. Er kannte die Sagen und Mythen über das uralte Grauen, das unter dieser Stadt erwachte, seine Ketten abschüttelte und sich erhob.

Sie stolperte die große Freitreppe zum Palast hinauf.

"Karten und Klingen"

Weihnachtsgrüße der besonderen Art: "Karten und Klingen"

Die deutschen Phantastikautoren starten eine neue Tradition ... Stephan R. Bellem macht es vor, ich mache nach!

Weihnachtspost vom Verlag ohneohren erreichte mich gestern, und ich habe ein wenig Martialisches zum Fotoshooting aufgebaut. In diesem Sinne: Wunderschöne Feiertage!

Weihnachtsgrüße

OnlineRoman "Stadt im Schnee" 38



Einen Augenblick saßen sie noch unter dem klaren Sternenhimmel. Der Mond verwandelte die eisige Landschaft in ein Funkeln von Reflexen.

Maril traf ihre Entscheidung.

Verbotene Stadt

Runo setzte Mutter und Tochter knapp außerhalb der Reichweite der Bogenschützen vor den Stadtmauern ab. Ilya brach in Tränen aus, klammerte sich an Mako fest, der vor lauter Schreck über so viel Anhänglichkeit erstarrte, und war nur mit Mühe von dem Hals des Schneefangs zu trennen. Runo und Maril arbeiteten Seite an Seite und lösten jeden einzelnen kleinen Finger aus dem dichten Fell des Schneefangs. Kaum war dies gelungen, als Ilya sich aus dem Griff ihrer Mutter wand und sich an Runos Bein anklammerte.

„Schneemurkel und Yakscheiße!“, fluchte Runo leise – leise angesichts der allzu nahen Stadtmauer.

Maril unterdrückte mühsam ein Kichern, fiel vor Runo auf die Knie und arbeitete daran, ihrer Tochter auch diesen letzten Halt aus ihrer Zeit als Schneenomadin ehrenhalber zu nehmen. Sie schlang fest beide Arme um das weinende Kind und zischte: „Mach, dass du wegkommst. Ich kann sie nicht lange halten!“

Runo sah auf sie herab, ein Lächeln funkelte in seinen dunklen Augen. „Ich warte auf den Mongo.“ Damit wirbelte er herum, sprang auf Makos Rücken, und Reiter und Schneefang verschwanden hastig.

„Ich will mit Runo und Mako gehen!“, jammerte Ilya.

„Ich weiß, ich auch. Aber jetzt bist du bei mir, und wir haben eine wichtige Aufgabe vor uns.“

„Magst du Runo?“

„Ich mag ihn sehr.“

„Und Mako?“

„Ich kenne Mako noch nicht genug, um ihn zu mögen, Ilya.“

Sie stand auf und nahm das Kind bei der Hand. Runo war noch in der Nähe, um sie auf den letzten Schritten zu schützen, das wusste sie sicher. Sie spürte seine Nähe in jeder Pore.

Sie war ihm auf dem stundenlangen Ritt so nahe gewesen, dass seine Stimme und sein Körper ihr unendlich vertraut erschienen. Nun blieb er außerhalb ihrer Reichweite zurück, und sie vermisste ihn schmerzhaft.

Energisch rief sie sich zur Ordnung. Sie hatte eine lebenswichtige Aufgabe! Wichtig für die Kaiserin, die Stadt, deren Bewohner, ihre Tochter. Ebenso wichtig für die Nomaden, Kona, Mako und auch Runo. Sie durfte jetzt nicht wegen eines gut geschnittenen Gesichts, lächelnder Augen und eines vorbildlichen Körpers den Kopf verlieren!

Sie zog Ilya mit sich bis zum großen Haupttor. Die Wachen hatten sie bereits gesichtet und ihre Vorgesetzte informiert. Die Ausfallpforte im großen Tor wurde geöffnet, und Maril konnte eintreten, hinter die trügerische Sicherheit der hohen, dicken Mauern gelangen.

„Generalin!“, wurde sie begrüßt. Wachen salutierten, die Oberste führte Maril hastig in das Torhaus, wo ein Feuer im Kamin brannte.

Frühstück ist fertig!

Band 2 der Frühstücksanthologien ist in Kürze auch als Taschenbuch zu haben. Mit dabei meine - etwas längere - Kurzgeschichte "Witwe Tiffony": Was ein Frühstücksei doch für Stress bedeuten kann!

Niffiff frühstückt

Von Blumen und Bienen ...

... oder: Wo kommen eigentlich die kleinen Geschichten her?

Eine vollkommen unrepräsentative Erhebung unter Autorenfreunden und natürlich bei mir über die letzten Jahre ergab: Unter der Dusche, auf dem Klo (ja, ehrlich!), beim Autofahren oder bei Hausarbeit (langweilig) kommen die meisten Ideen einfach anspaziert. Manchmal sind sie noch richtig klein, bringen nur eine Figur im Schlepptau heran, die sie stolz vor der Autorin Füße ablegen und dann einen Keks erwarten. Einige sind größer und schleifen eine Stadt oder einen mittelprächtigen Konflikt hinter sich her.

Mir stampfte schon ein kompletter Roman (na ja, das Heldenpaar und der Hauptkonflikt) beim Filmgucken ins Hirn. Wobei die Geschichte nichts mit dem gerade konsumierten Film zu tun hatte, sondern nur von einem Gesichtsausdruck des dortigen Bösewichts inspiriert wurde.

Gesprächsfetzen beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln sind auch immer wieder hilfreich, ebenso bin ich einmal von einer Idee angefallen worden, als ich ganz harmlos mit Mama telefonierte.

Was macht man nun mit diesen kleinen Ideenfunken, während sie die Keksdose plündern und mit vollen Hamsterbäckchen kauen und furchtbar herumkrümeln? Ich lasse sie wachsen und gedeihen. Höchst selten schreibe ich etwas dazu auf, sondern beobachte das kleine Keksmonster, während es der mittlerweile leeren Keksdose sein Leid klagt und noch mehr von der Idee erzählt. Ich höre zu, und ein Mosaikstein fällt neben den nächsten. Wenn ich Pech habe, schmeißt mir die kleine Idee eine ganze Tonne voll Steinchen vor die Füße und wartet dann ungeduldig, daß ich mir etwas aussuche.

Manche Ideen versanden. Teilweise vergesse ich, was ich daran toll fand. (Das Ideenmonster ist inzwischen mit der nächsten vollen Keksdose durchgebrannt ...) Oder die Grundzüge der Geschichte fesseln mich selbst nicht mehr. Dann lasse ich die Finger davon.

Aber manchmal reichen zwei, drei Sätze, um mich zu fesseln, ein Dokument zu öffnen und die ersten Worte zu schreiben.

Vor siebenhundert Jahren nahm der erste König des Reichs seinen Winterfürsten Ariz als ewigen Wächter mit sich ins Grab. Ein Glück für Yeva, die vor den Avancen ihres Vetters und einem feindlichen Heer in die Grabanlagen flüchtet. Gemeinsam mit Ariz, in dem Yeva bald einen Freund entdeckt, versucht sie, ihr Reich zurückzuerobern.

Habe ich erst einmal angefangen, höre ich selten auf, bevor die Geschichte nicht erzählt ist.
Und wo überfallen Euch die Ideen?

OnlineRoman "Stadt im Schnee" 37



Die zweite Rast legte Runo in Sichtweite der Stadt ein. Maril konnte ihn verstehen: Er wollte, dass Mako frisch war, wenn die Unterhändlerin und das Kind abgesetzt waren. Dann befand er sich in Reichweite der Bogenschützen und wollte so schnell wie möglich aus dieser Reichweite entkommen.

Aus einem kleinen Rucksack zog Runo einen Yakknochen, an dem noch reichlich Fleisch hing. Mako schnappte sich diesen Happen ohne viel Zeremoniell, ließ sich zu Boden sinken und knackte den Knochen mit einem einzigen Schließen seiner starken Kiefer.

„Du bleibst in der Nähe der Stadt?“

Runo sah sie für einen Moment von der Seite an. „Das tue ich. Wenn du auf die Idee kommst, Krieger auszusenden, um mich zu fangen, werden sie mit leeren Händen und vielen Toten zurückkehren.“

„Das habe ich nicht vor!“, protestierte Maril sofort, „aber es ist möglich, dass ich Kona eine Nachricht zukommen lassen möchte.“

„Darauf hofft Mutter. Deswegen soll ich in der Nähe bleiben.“

„Du traust mir nicht!“

Er legte den Kopf in den Nacken. Im Mondlicht waren seine Gesichtszüge klar für sie erkennbar. Sie fühlte sich ihm verbunden und nahe, obwohl er so abweisend aussah. Endlich antwortete er. „Nein, ich traue niemandem aus deinem Volk.“

„Mir auch nicht?“, fragte Ilya empört, die während des kurzen Dialogs der beiden Erwachsenen den Rucksack durchstöbert hatte, ob auch sie noch einen Happen zum Essen finden könnte.

Mit einem Grinsen antwortete Runo: „Jemand, der behauptet, ich hätte Schlappohren …“

„Du siehst aber sonst echt aus wie ein Mongo!“

Maril unterbrach dieses Geplänkel hastig. „Der Mongo wird unser Signal und geheimes Zeichen, Runo. Ich werde alles daran setzen, dass ihr in die Stadt kommen könnt. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun. Und ich werde dir den Mongo als Zeichen schicken.“

„Wie?“

„Man hat mir erzählt, dass Schneefänge und andere Raubtiere die Abfälle der Stadt durchwühlen. Sie werden an einer Seite der Mauern abgeworfen.“

„Ich weiß, wo das ist.“

„Behalte die Mauer über dem Abfallhaufen im Auge. Ich werde dir von dort Nachricht zukommen lassen. Und ich schwöre beim Leben meines Kindes, dass es keine Falle sein wird.“

Beide sahen zu Ilya hinüber, die den Rucksack erfolgreich durchstöbert hatte. Triumphierend schwenkte das Kind einen getrockneten Fleischstreifen.

„Ich hatte dieses Kind die letzten fünf Tage am Hals, Maril. Diesem Schwur will ich glauben. Ich kenne keine Mutter, die das Leben ihres Kinds leichtfertig aufs Spiel setzt.“