Tanja Rast (tanja_rast) wrote,
Tanja Rast
tanja_rast

OnlineRoman "Stadt im Schnee" 15



Als die beiden Überlebenden die Stadt erreichten, hatte Maril sehr viel mehr über die Nomaden gelernt, als sie jemals zu hoffen gewagt hatte. Die Stadtbewohner hatten Respekt vor den wilden Kriegern und fürchteten sie – außerhalb der Stadtmauern.

Die Stadt war uneinnehmbar. Das hatten inzwischen auch die Nomaden verstanden. Während der Bauphase waren die Angriffe besonders heftig gewesen. Instinktiv hatten die Nomaden verstanden, dass sie später keine Chance mehr haben würden. Vier Armeen musste die Kaiserin zum Schutz der Baustellen schicken, und die Verluste waren hoch gewesen. Danach hatte es einige Zeit lang noch weitere Angriffe gegeben, bis die Krieger des Schneelands endlich verstanden zu haben schienen, dass sie besiegt waren.

Aber das war ein Irrtum gewesen. Anstatt sich fruchtlos und unter großen Verlusten gegen die uneinnehmbaren Mauern zu werfen, verlagerten die Nomaden ihre Angriffe. Und nun trafen sie die Stadt deutlich:

Die Krieger überfielen die lebenswichtigen Karawanen. Über die Jahre hinweg war das lästig gewesen, nun wurde es katastrophal. Die Berichte der Späher sagten aus, dass die Stämme untereinander oft verfeindet und deshalb nicht zu gemeinsamen Anstrengungen fähig wären. Dies musste nun als Fehleinschätzung angesehen werden. Die Angriffe waren zu häufig und zu effektiv geworden. Alleine in den letzten vier Monden war nur ein Viertel der Karawanen in der Stadt angekommen.

Die Vorräte in der Stadt schmolzen rapide. Es waren nicht nur die Waren auf den Karren, die fehlten. Die Zugtiere wurden normalerweise geschlachtet, die Karren zu Brennholz verarbeitet, die Wachmannschaft verstärkte das Heer hinter den hohen Mauern. Käme die Hälfte der Transporte heil an, wäre die Situation noch erträglich – mit einem Viertel und weniger wurde die Stadt ausgehungert.

Maril war den vergangenen Mond nicht untätig gewesen. Sie hatte mit den Frauen der Administration gesprochen, mit der Wachmannschaft, mit dem einfachen Bürger auf der Straße.

Mangel machte sich überall bemerkbar. Es gab Rationierungen, und jede Karawane, die die Stadttore ungeschoren passierte, wurde überschwänglich begrüßt.

Die Generalin hatte ihr Domizil in einer Gästewohnung des Administrationsgebäudes bezogen, bei ihr liefen alle Fäden zusammen. Jeder kam eifrig, um mit ihr zu sprechen und ihr alles zu berichten, was sie oder er wusste.

Tags: onlineroman
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